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«Warum sind Sie so kirchenfeindlich, Herr Kegebein?»

Sie haben mich missverstanden. Wäre ich kirchenfeindlich, würde ich aus der Kirche austreten. Wäre mir die Kirche egal, hätte ich die Instruktion ignoriert. Doch mir liegt sehr viel an der Kirche:

 weil ich schöne Erfahrungen in ihr gemacht habe,
 weil ich die christliche Botschaft unterstütze,
 weil ich weiß, dass Kirche sehr viel mehr ist als Papst, Vatikan, Kurie,
Kongregationen, Enzyklien, Instruktionen, Apostolische Verlautbarungen,
 weil ich immer wieder sehe, welch fruchtbare Arbeit an der «Basis» geleistet
wird: in Gemeinden, Kindergärten, in der Jugend- und Seniorenarbeit, in
Pfarrgemeinderäten, Kirchenvorständen, Bauausschüssen, Besuchsdiensten,
in Familienbildungsstätten, Caritas, Gefängnis-, Krankenhaus-, Militär-, Studenten-
seelsorge, in katholischen Verbänden und Vereinen, ...

Ich kritisiere die Instruktion – nicht obwohl, sondern weil ich mich der Kirche so verbunden fühle. (Mir ist aber klar, dass viele Katholiken diese Einstellung nicht nachvollziehen können.)


«Und Sie nehmen sich einfach das Recht, den Vatikan öffentlich zu kritisieren?»

Ja. Natürlich. Warum denn nicht?


«Aber dieser Ton ...!»

Stimmt. Eigentlich sollten meine Kommentare zu «Redemptionis sacramentum» viel sachlicher ausfallen. Je mehr ich mich mit der Instruktion beschäftigte, desto weniger gelang mir das. Darum klingt an einigen Stellen Ironie, Sarkasmus und Spott durch. Wer aber meine Anmerkungen genauer liest, hört dazwischen auch Enttäuschung, Trauer und Wut.

Ich hatte überlegt, meinen Text nachträglich etwas zu «entschärfen», habe mich dann aber dagegen entschieden. Denn der Ton des Vatikans ist auch nicht besser: In der Instruktion ist öfter von «Missbrauch» die Rede, als von «Glaube», «Liebe», «Hoffnung», «Freiheit», «Heil», «Vertrauen», «Segen» und «Freude»  z u s a m m e n g e r e c h n e t  !  Das ist nicht der Tonfall, den ich von einer Instruktion über die Eucharistie erwarte.

Außerdem vertraue ich darauf, dass die Leser zwischen Form und Inhalt meiner Kritik unterscheiden können.


«Haben Sie denn überhaupt das nötige theologische Wissen?»

Ich bin kein Theologe, habe auch nie Theologie studiert.

Die Instruktion richtet sich aber ausdrücklich auch an «alle christgläubigen Laien».
Das schließt die Nicht-Theologen ein.

Wenn es die Kirche nicht schafft, einem durchschnittlich gebildeten Laien die Vorschriften und Verbote der Instruktion zu erklären, liegt das Problem bei den Autoren, nicht bei den «christgläubigen Laien».

Viele meiner Anmerkungen sind in Frageform gekleidet. Das ist nicht nur ein rhetorisches Stilmittel. Es mag sein, dass der Vatikan gute Antworten auf meine Fragen hat. In der Instruktion habe ich sie jedenfalls nicht gefunden.

Ich behaupte nicht, verbindliche Antworten anbieten zu können.
Ich behaupte aber, interessante Fragen stellen zu können.

Oft ist überhaupt kein theologisches Wissen nötig: So kann z.B. auch ein Laie erkennen, dass das Verbot, die Eucharistiefeier um einen Tisch zu feiern, biblisch nicht begründet ist.


«Sind Sie mit Ihrer Kritik nicht manchmal etwas pingelig?»

Wenn ich z.B. im Vorwort der Instruktion die Formulierung «heiligste Eucharistie» als sprachlich und theologisch falsch bemängele, ist das tatsächlich pingelig. Andererseits: Nach kirchlichem Verständnis ist die Eucharistie das Wichstigste im Leben eines Katholiken; von einer Instruktion, die das Wichtigste im Leben von über einer Milliarde (!) Menschen reglementiert, kann ich wohl erwarten, dass auch die Details sorgfältig durchdacht und formuliert werden.

 


Der Originaltext

Ich habe die Instruktion einer Webseite des Vatican (www.vatican.va) entnommen. Auf den Seiten der deutschen Bischofkonferenz (www.dbk.de) gibt es eine PDF-Version der Instruktion zum Download.

Die Zahlen in kleinen, eckigen Klammern im Originaltext verweisen auf Fußnoten, die ich nicht übernommen habe; sie sind für das Verständnis des Textes ohnehin wenig hilfreich. Zur Abschreckung eine zufällig gewählte Kostprobe:

[197] Codex Iuris Canonici, can. 932 § 1; vgl. Hl. Kongr. für den Gottesdienst, Instr. Liturgicae Instaurationes, Nr. 9: AAS 62 (1970) 701.

[198] Codex Iuris Canonici, can. 904; vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 3; Dekr. über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis, Nr. 13; vgl. auch Ökum. Konzil v. Trient, Sessio XXII (17. September 1562), Dekr. über das Meßopfer, Kap. 6: DS 1747; Papst Paul VI., Enzykl. Mysterium fidei (3. September 1965): AAS 57 (1965) 753-774, hier 761-762; vgl. Papst Johannes Paul II., Enzykl. Ecclesia de Eucharistia, Nr. 11: AAS 95 (2003) 440-441, Hl. Kongr. für die Riten, Instr. Eucharisticum mysterium, Nr. 44: AAS 59 (1967) 564; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 19.

Wer sich trotzdem durch die Fußnoten quälen will, sollte sich den Originaltext anschauen.


Die Zitate

Die Zitate in den violetten Textkästen gehören natürlich nicht zur vatikanischen Instruktion. Sie stammen zwar durchweg von «unverdächtigen» Persönlichkeiten (z.B. Kardinal Ratzinger, Papst Johannes Paul II, Karl Rahner usw.) Aber ich habe selbstverständlich alle diese Zitate völlig aus dem Zusammenhang gerissen und nur des billigen Effektes wegen an völlig unpassende Stellen im Text platziert ;-)


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Letzte Änderung: 17.12.2004